KONFERENZ FÜR KABEL-TV & BREITBAND
Fachverbandsobmann Singer: "Politik muss dem Telekommunikationssektor wieder mehr Augenmerk widmen"
Cable Days 09 - Konferenz für Kabel-TV & Breitband: Kritik an Anlassgesetzgebung - "Unsere echten Breitbandnetze können, was andere sich für die Zukunft wünschen"
"Der Wettbewerb im Bereich Kabelbetreiber in Österreich schreckt uns nicht. Es müssen aber faire Rahmenbedingungen für alle Marktteilnehmer, ob groß oder klein, gelten" - mit diesem Appell eröffnete Günter Singer, Obmann des Fachverbandes Telekom/Rundfunk in der Wirtschaftskammer Österreich, die Cable Days 2009.
Es gebe einen Umdenkprozess in Österreich bezüglich der Notwendigkeit leistungsfähiger Kommunikations-Infrastruktur sowie adäquater Rahmenbedingungen. Allerdings, so Singer, könne man gute Dinge auch so anpacken, dass am Schluss in der Öffentlichkeit ein fahles Bild bleibe. Damit spielte der Vertreter der (Tele-)Kommunikationswirtschaft auf die Novelle des Telekommunikationsgesetzes (TKG) 2009 im Punkt Mitbenutzungsverpflichtung der Infrastruktur an: Da lag ein fertiger Gesetzesentwurf vor, der nicht konsultiert, sondern möglichst rasch "durchgewunken" werden sollte. Singer: "Ein Danke an die Politik für eine gesetzliche Grundlage, aber eindeutiges Pfui aber an jene, die eine bevorzugende Anlassgesetzgebung, wie ursprünglich geplant war, durchzudrücken versucht haben."
Er mahnte weiters, dass die Politik in Österreich nicht die gesamte Verantwortung für den Telekommunikationssektor etwa an die RTR-GmbH auslagern dürfe und dem IKT-Sektor in Österreich wieder mehr Augenmerk widmen soll. Dazu gehört die Gleichberechtigung der IKT-Infrastruktur als "drittem Verkehrsweg" neben Schiene und Straße.
Eine europaweite Entwicklung im Bereich Kabel-/Breitbandnetze macht auch vor Österreich nicht halt, nämlich die Konsolidierung und Konzentration des Marktes. Seit 2008 seien, so Singer, 30 bis 35 Unternehmen in Österreich in einem größeren Verbund aufgegangen. Die Dynamik verlangsame sich zwar, die Entwicklung bleibe aber "spannend".
Mit dem Satz "Unsere echten Breitbandnetze können, was andere sich für die Zukunft wünschen" leitete Singer über zur Tatsache, dass es heuer Realität geworden sei, dass Netzbetreiber Donwload-Geschwindigkeiten von bis 100 Mbit zu den Kunden bringen und damit einen echten schnellen Breitbandzugang anbieten.
In Sachen Inhalte seien die "Kabler" auf der Suche nach neuen Geschäftsmodellen mit Content, der bereits vorhanden ist, "aber", so Singer, "vielleicht erst wachgeküsst werden muss." Die Netzbetreiber wünschen sich eine intensivere Kooperation mit den Contentproduzenten, "damit die Inhalte, etwa die Berichterstattung über regionale und lokale Ereignisse,, Dokumentation, Filme und anderes zu den Konsumenten kommen." Die Netzbetreiber plädieren für Modelle, bei denen sie auch und vor allem auf kleinere Contenteinheiten zugreifen können.
Als "etwas, worauf wir uns freuen können und das auch tun", machte Fachverbandsobmann Singer die Verbreitung von High Definition-TV (HDTV) aus. So erwarte man etwa den HDTV-Start der deutschen Sender ARD und ZDF im kommenden Jahr.
Ein Thema, das der Branche in Österreich unter den Nägeln brennt, ist der netzbasierende Personal Video Recorder (PVR), ausgehend von einem Modell, das in der Schweiz entwickelt wurde. Allein: Der Einsatz dieser "Anwendung der Zukunft", die schon heute technisch machbar ist, scheitert an den Verwertungsgesellschaften: Diese dürften den Einsatz moderner Technologien nicht blockieren und verhindern.
Zum Thema Digitale Dividende, d.h. die Nutzung des Frequenzbereiches 790 bis 862 MHz, begrüßte Singer den Zugang der Bundesregierung: Die plant im Rahmen eines ausführlichen Gutachtens, die technischen und volkswirtschaftlichen Auswirkungen der Frequenzzuteilung zu untersuchen. Erst danach soll es eine endgültige Entscheidung erfolgen. "Der Frequenzbereich ist nicht ein vollkommen frei disponierbares Gut. Es gilt jedenfalls auch, seit längerem bestehende berechtigte Ansprüche zu berücksichtigen."
Kabelnetzbetreiber setzen verstärkt auf Inhalte - Appell an Content-Produzenten
Singer: Gemeinsam nach kreativen Geschäftsmodellen suchen, die den Konsumenten regionale und lokale Inhalte bringen
"Suchen wir gemeinsam kreative Geschäftsmodelle, auf Basis derer es gelingt, regionale und lokale Inhalte zu den Menschen zu bringen und mit denen sich darüber hinaus für die Contenthersteller und TV-Sender auch Geld verdienen lässt", sagte Günther Singer, Obmann des Fachverbandes Telekom/Rundfunk in der Wirtschaftskammer Österreich, heute bei den Cable Days 2009, der Branchenkonferenz und Fachmesse für Kabel-TV und Breitband, in Richtung von Filmwirtschaft, Sportverbänden und anderen.
Dabei gehe es sowohl um neue, interaktive Angebote als auch um Programminhalte, die bereits produziert und damit vorhanden sind - etwa Dokumentation, Filme oder Berichterstattung über regionale und lokale Ereignisse. Oft müssten diese aber erst wieder "wachgeküsst" werden müssen. Den ORF forderte der Vertreter der Kabelnetzbetreiber-Branche in Österreich in diesem Zusammenhang auf, seine Archive zu öffnen - so, wie das der öffentlich-rechtlichen Sender bei den Cable Days im vergangenen Jahr angekündigt hatte: "Die abstrakt bekundete Bereitschaft muss jetzt konkret werden."
Weiters plädieren die (Kabel-)Netzbetreiber für Modelle, bei denen sie auch und vor allem auf kleinere Contenteinheiten zugreifen können, da große Pakete beispielsweise an Filmrechten oftmals den finanziellen Rahmen sprengen würden und die Netzbetreiber und deren Kunden deshalb darauf verzichten müssten.

